Die politische Gemeinde

Die Gemeinde Konzell zĂ€hlt heute rund 1700 Einwohner und wird zur Zeit von einem zwölfköpfigen Gemeinderat und einem ehrenamtlichen BĂŒrgermeister gefĂŒhrt.

Der alte Gemeindebereich wurde durch Eingliederungen erweitert. So wurde 1927 die frĂŒhere Gemeinde Auggenbach der Gemeinde Konzell angeschlossen, am 1.1.1977 der Ortsteil Ichenberg von der Gemeinde Landorf nach Konzell eingemeindet und am 1.5.1978 die Gemeinde Gossersdorf ebenfalls der Gemeinde Konzell angeschlossen. (Diese Eingliederung findet im Rahmen der DurchfĂŒhrung der Gemeindegebietsreform in Bayern statt.)

Die zum selben Zeitpunkt eingegangene Verwaltungsgemeinschaft mit der etwa gleich großen Nachbargemeinde Rattenberg war nur von kurzer Dauer und wurde wieder aufgelöst.

 Der Nahbereich Konzell wurde im FrĂŒhjahr 1977 vom Planungsausschuß der Region 12 als Planungsfall fĂŒr ein Kleinzentrum vorgeschlagen

Zum Nahbereich Konzell zÀhlen die Gemeinden Rattenberg, Haibach, die Verwaltungsgemeinde Stallwang (mit den (Gemeinden Stallwang, Rattiszell und Loitzendorf.

 

Das Wappen
der Gemeinde Konzell

Aus der geschichtlichen Entwicklung heraus erklĂ€rt sich das Konzeller Wappen. Amtliche Beschreibung: Ein goldenes MĂŒhlrad ĂŒber schrĂ€g gekreuzten SchlĂŒssel und goldenem Abtstab auf blauem Grund. Das goldene MĂŒhlrad als Wappen der Perlachinger soll die Geschichte des frĂŒheren Hofmarktortes darstellen und die beiden klösterlichen Insignien, SchlĂŒssel und Abtstab, die besondere Beziehung zum Kloster Oberalteich.
(Entwurf: Graphiker Max Reinhart, Passau)

 

 

Struktur der Gemeinde

Verkehr
VerkehrsmĂ€ĂŸig ist der Konzeller Raum eigentlich recht gut erschlossen, da er an der Verkehrsader zwischen dem Straubing-Bogener Gebiet und dem Gebiet um Cham, Kötzting und Viechtach gelegen ist. Letzteres wird wohl aus heutiger Sicht, durch die Einheit Deutschlands und die zunehmende Öffnung der Grenzen gegen Osten, an Bedeutung gewinnen.
Gebildet wird diese Verkehrsader von der Staatsstraße 2140 zwischen Mitterfels und Miltach und der westlich davon parallel verlaufenden Bundesstraße 20, an die Konzell durch die Kreisstraße SR 43 ĂŒber Gossersdorf angeschlossen ist. Wichtiger aber ist die Verbindung von Stallwang (B20) nach Unterrubendorf zur sog. Ostmarkstraße (B85) auf der in der Hauptsache der Schwerverkehr abgewickelt wird.
ErgĂ€nzt wurde das Verkehrsnetz durch die eingleisige Bahnlinie von Straubing nach Miltach, an der die zwei Bahnhöfe Konzell-Streifenau und Konzell-SĂŒd liegen. Letzterer war bis 1954 sogar Sitz einer Bahnmeisterei, nachdem ab 1897 fĂŒr acht Jahre hier der Endpunkt aus Richtung Straubing war. Der Betrieb auf dieser Strecke wurde bereits in den 70er Jahren immer mehr eingeschrĂ€nkt und fiel 1985 den StreckenstillegungsplĂ€nen der Bundesbahn zum Opfer.
Die beiden Bahnbuslinien: Miltach - Konzell - Mitterfels - Bogen-Straubing und Kasparzell - Gossersdorf - Mitterfels - Straubing waren die Antwort der Bundesbahnverantwortlichen, wenn gleich diese kein Ersatz fĂŒr die "Pulsader" des Vorderen Bayerischen sein kann.

Wirtschaft
Die Siedlungsstruktur hat sich wĂ€hrend der vergangenen Jahre nicht entscheidend verĂ€ndert, da neben den bestehenden grĂ¶ĂŸeren Ortschaften noch sehr viele Weiler und vor allem Einöden das Besiedlungsbild prĂ€gen. HautsĂ€chlich in diesen kleineren Gemeindeteilen sind die landwirtschaftlichen Betriebe  beheimatet, die auch den grĂ¶ĂŸten Teil des Bodens bewirtschaften (ca. 1530 ha). GegenĂŒber frĂŒher hat sich hier aber einiges verĂ€ndert. Vom Ackerbau ist man besonders auf Milch- und Viehwirtschaft umgestiegen. Auch sind hier bei weitem nicht mehr so viele Leute beschĂ€ftigt, da grĂ¶ĂŸtenteils Maschinen eingesetzt werden und viele Betriebe auch aufgegeben bzw. als Nebenerwerbs- betriebe gefĂŒhrt werden. Von den rund 1700 Einwohnern der neuen Gemeinde Konzell sind etwa noch 250 im land- und forstwirtschaftlichen Bereich tĂ€tig.
Einen weit grĂ¶ĂŸeren Raum nimmt dagegen in der letzten Zeit das Handwerk und die Industrie mit ca.550 BeschĂ€ftigten ein. Bei den Handwerksbetrieben, die zum grĂ¶ĂŸten Teil in Familienbesitz sind, handelt es sich um kleinere und mittlere Unternehmen aller Berufssparten, wobei aber die modernen" Berufe wie Elektriker, Mechaniker usw. die "alten" ZĂŒnfte wie Schmied und Schuster verdrĂ€ngt haben. Der einzige industrielle (Großbetrieb der Gemeinde, ein Verpackungswerk, bietet seit 1959 neben vielen Einheimischen auch Einpendlern aus den Nachbargemeinden einen Arbeitsplatz. Diesen stehen aber auch etliche Auspendler vor allem nach Straubing und MĂŒnchen gegenĂŒber.
Ähnlich der gewerblichen Entwicklung hat auch der Fremdenverkehr an Bedeutung zugenommen. Eine verstĂ€rkte Werbung durch Farbprospekte und ein erweitertes Sportangebot durch Skilanglauf-Loipen und Skilift bringen den ungefĂ€hr ein Dutzend Gastwirtschaften neben den SommergĂ€sten auch im etwas ruhigerem Winter Urlauber ins Haus.

Daten der Gemeinde (Stand 1.5.1978)

 

Konzell

Gossersdorf

Gesamt

ErwerbstÀtige

645

313

958

Land-Forstwirtsch.

143

107

250

Prod. Gewerbe

382

174

556

Dienstleistungen

120

32

152

Einwohner

1112

585

1697

Wirtschaftsfl. ha

1804

924

2728

Landw.Nutzfl. ha

972

556

1528

Forstw.Nutzfl. ha

620

301

921

Moor, Öd-Unland ha

94

26

120

GewÀsser ha

 

2

2

Sonstige ha

118

39

157


Einrichtungen
An wichtigen Einrichtungen sind in Konzell ein Kindergarten, eine Grundschule sowie zwei BĂŒchereien, eine örtliche VolksbĂŒcherei und eine SchulbĂŒcherei vorhanden. Hinzu kommen zwei (Geldinstitute und ein Postamt (mit einer zentralen Fernsprechvermittlungsabteilung fĂŒr den Nahbereich Konzell) und die Forstdienststelle.
Auf Àrztlichem Gebiet ist Konzell durch zwei AllgemeinÀrzte, einen Zahnarzt, einen Masseur, zwei TierÀrzte und die im Ort befindliche Apotheke gut versorgt.
Stolz der Gemeinde, das neue Rathaus mit Sitz der Verwaltungsgemeinschaft und das 1982 fertiggestellte Sportzentrum, bestehend aus einer Mehrzweckhalle, zwei Rasenspielfeldern, einem Hartspielplatz einer Anlage fĂŒr Weitsprung und Kugelstoßen, dazu eine 100 m Laufbahn sowie zwei TennisplĂ€tzen und Asphaltstockbahnen.
Im Jahre 1923 erstellte die Gemeinde Konzell ein Gemeindehaus, das an die Bundespost vermietet wurde. Das GebĂ€ude beherbergte zur einen HĂ€lfte eine Posthalterwohnung, die andere HĂ€lfte nahmen Schalter und Verwaltungsraum ein. Bis zum Jahre 1962 war die Gemeindeverwaltung im Schulhaus untergebracht. Beim Umbau des Schulhauses wurde die Gemeindekanzlei in die frĂŒhere Posthalterwohnung verlegt. Steigende Anforderungen an die Gemeindeverwaltung machten schließlich den Neubau eines Rathauses erforderlich. 1977 konnte das von Architekt Max Winter geplante Objekt seiner Bestimmung ĂŒbergeben werden. Neben den VerwaltungsrĂ€umen sind im neuen Rathaus: Postamt, ABC-Meßstelle, Jugendraum, Notschlachtungsraum und VolksbĂŒcherei untergebracht.
Aktuelle Ereignisse der Gemeinde und Entscheidungen des Gemeinderates werden in  “Konzell Aktuell”, dem Informationsblatt der Gemeinde das seit 1990 monatlich erscheint, veröffentlicht. Die stolze und bewegte Geschichte unserer Heimat wird in der “Konzeller Chronik” (Auflage 1991, online seit 2005) in Wort und Bild wiedergegeben.
 

 


Altes Gemeindehaus


Neues Rathaus


Konzell Aktuell


Konzeller Chronik


Konzeller Chronik-online


Beginn der Rathaussanierung 2011


Das neu renovierte Rathaus 2012

 

Veranstaltungen
2 JahrmĂ€rkte: St. Ulrichsmarkt (Kirta) und Martininmarkt. Beide MĂ€rkte werden von einer großen Zahl Firanten besucht und sind wegen ihrer langjĂ€hrigen Tradition und dem vielfĂ€ltigen Angebot weit ĂŒber die Gemeindegrenzen hinaus bekannt und beliebt.

 

 

Straubinger Tagblatt 2013

Weit zurĂŒckreichende EinflĂŒsse auf Gemeindezuschnitte
Konzell mit bewegter Vergangenheit

Wer wird nĂ€chstes Jahr BĂŒrgermeister von Gossersdorf, Auggenbach oder gar von Sicklasberg? FĂŒr niemand mehr stellt sich heute diese Frage, denn vor Jahrzehnten schon sind diese ehemals selbstĂ€ndigen Gemeinden oder einst als solche geplante in Konzell aufgegangen. Und lĂ€ngst empfinden die Bewohner der verschiedenen Ortsteile ein „Wir in Konzell“, obwohl das Bewusstsein ĂŒber die eigene örtliche IdentitĂ€t lebendig bleibt. Vom historischen Blickwinkel aus aber ist es höchst reizvoll, den HergĂ€ngen zum Gemeindezuschnitt im heutigen Umfang nachzugehen und zu ergrĂŒnden, welche Faktoren dabei ausschlaggebend waren. Nicht zuletzt gibt das Wissen ĂŒber das Herkommen hĂ€ufig auch Antworten bei Entscheidungen fĂŒr die Zukunft und erweitert den eigenen Horizont. Wie kaum in einer zweiten Gemeinde werden am Beispiel Konzell die vielfĂ€ltigen EinflĂŒsse, Schwierigkeiten und auch Kehrtwendungen im Zuge der Gemeindebildungen sichtbar. Teils reichen die Ursachen viele Jahrhunderte zurĂŒck. Nicht zuletzt ein Blick auf die umliegenden Gemeinden weist hier auf einen wesentlichen Gesichtspunkt hin: SĂ€mtliche eigenstĂ€ndigen Gemeinden sind ausnahmslos auch Sitz einer Pfarrkirche. Sicher liegt hier einer der GrĂŒnde, weshalb sich das ehemals nachrangige Dorf zum Hauptort der Gemeinde entwickelte.

Auch mit großem Abstand betrachtet erkennt man die beachtliche  Herausforderung, welche sich durch die UmwĂ€lzungen im Zuge der napoleonischen Kriege und revolutionĂ€ren Tendenzen dem Wittelsbacher KurfĂŒrsten Max Joseph zu Beginn des 19. Jahrhundert stellten und deren BewĂ€ltigung er Graf Montgelas ĂŒbertrug. Zersplitterte ZustĂ€ndigkeiten was die Grundherrlichkeit, Gerichtsbarkeit und Steuern betraf, waren bis in die kleinsten Orten gang und gĂ€be. Selbst fĂŒr die betrauten VerwaltungskrĂ€fte musste es schier unmöglich sein, den Überblick zu behalten. Die Erhebung zum Königreich im Jahr 1806 mit Zuschlag von Franken und Schwaben erhöhte den Druck fĂŒr Reformen zusĂ€tzlich. Um moderne Verwaltungsstrukturen zu schaffen, musste die Macht der StĂ€nde - des Adels und der PrĂ€laten - zurĂŒckgedrĂ€ngt werden. Dass Herzog Max und Graf Montgelas aus der Rheinpfalz kommend mit keinerlei emotionalen Bindungen zum ungeliebten Bayern belastet waren, dĂŒrfte ihnen die schmerzhaften Schnitte erleichtert haben - die SĂ€kularisation lĂ€sst grĂŒĂŸen.

Steuerdistrikte als Gemeinde-VorlÀufer
Als VorgĂ€nger der Gemeinden wurden auf der Grundlage des ersten Gemeindeediktes 1808 die Steuerdistrikte Konzell, Gossersdorf und Sicklasberg gebildet. Eigentlich waren die dreizehn Anwesen in Auggenbach mit Haid ursprĂŒnglich Gossersdorf zugeschlagen, ebenso wie der Hof in Traumarch („Traubenbach“), der heute in der Oberpfalz liegt. Buchstauden und Sonnberg hingegen gehörten damals zum Steuerdistrikt Gittensdorf. Zum Steuerdistrikt Sicklasberg gehörten neben den eigenen zehn Hausnummern unter anderem Sternhaus (Kleinziehrling), Ziehrling (2 Anwesen), Haderhaus ("Beim Abdecker" Michael WĂŒgl), Unterumwangen, Oberumwangen, StockhĂ€usl, Vorm Hochholz, Unterholzen (2), MoosmĂŒhl, Artlsöd (2), Streifenau ("Beim Förster Anton Rueland“), Menhaupten, Irlberg und Hochholz. Ein völlig neues Bild ergab hingegen der tatsĂ€chliche Gemeindezuschnitt dann 1819. WĂ€hrend der Steuerdistrikt Sicklasberg aufgelöst und man die Orte den Gemeinden Konzell und Rattenberg einverleibt findet, erhielten die 13 HĂ€user in Auggenbach und Haid selbst  Gemeindestatus. In diesem Vorgang darf wohl zurecht ein letztes AufbĂ€umen des Adeligen Freiherrn von Leoprechting auf Altrandsberg als Besitzer der ehemaligen Doppel-Hofmark vermutet werden. Ebenso soll als Wurzel zur fehlenden ÜberlebensfĂ€higkeit und frĂŒhen Auflösung der Gemeinde Auggenbach die bescheidene GrĂ¶ĂŸe schon bei der GrĂŒndung behauptet sein.

Sattelbogener Ritter als Besitzer
HĂ€ufig wird Konzell als eine GrĂŒndung der Mönche des Benediktinerordens PfaffmĂŒnster im 10. Jahrhundert beschrieben. Immer neue Funde aus der Jungsteinzeit in der nĂ€heren Umgebung in jĂŒngster Zeit sprechen aber fĂŒr eine Besiedlung des Raumes, die wesentlich weiter zurĂŒck greift. Erstmals urkundlich erwĂ€hnt ist Konzell jedenfalls mit einem „Sigibot de Chovnencella“, der in einer gefĂ€lschten Papstbulle vom 22. MĂ€rz 1126 als Zeuge genannt wird. Es dĂŒrfte sich bei ihm um einen Ministerialen der Grafen von Bogen gehandelt haben, denn diese sind in einer Oberalteicher Klosterurkunde vom 5. Februar 1225 als Besitzer ĂŒberliefert. In der Zeit der Herrschaftsbildung folgte dieses Geschlecht im 11. Jahrhundert den Babenbergern nach. Graf Albert IV. ĂŒbertrĂ€gt in der bezeichneten Urkunde das Patronatsrecht ĂŒber „die drei auf seinem Hausgut gegrĂŒndeten Kirchen Haselbach, Chunencell und Liuzendorf“ an das Kloster Oberalteich. FĂŒr einen Ministerialensitz und den Standort der heutigen Pfarrkirche könnten sowohl die topographische Lage auf einem BergrĂŒcken als auch die Straße von Straubing ĂŒber Mitterfels nach Cham und Kötzting den Ausschlag gegeben haben. Von den besitzmĂ€chtigen Geschlechtern des Raumes sind es die Sattelbogener, die im auslaufenden Mittelalter als Herren von Konzell in Erscheinung treten. Als ersten treffen wir auf Ritter Hans, der Sattelbogener zu Lichteneck an „Gottes Leichnamstag“ 1404 (31. Mai) als Lehenherr. Albrecht, der Ödar zu Konzell verkauft an diesem Tag verschiedene GrundstĂŒcke an Andre, dem Pudmstorffer. Darunter die RosstrĂ€nke und die halbe Fleischbank. Als Hofmark ist Konzell erst seit 1466 verbĂŒrgt. Am 21. April dieses Jahres verkauft Ritter Martin von Sattelbogen zu Liechteneckh dem Wolfgang Vogl zu Konzell (dieselbe?) „Pengk“ und Brodkauf aus seiner Hofmarksherrlichkeit zu Konzell. Die Urkunde ist in Arnschwang ausgestellt. Vogl wird darin erlaubt, dass er „in der Pengk feil haben mag Brod, Eisen, Salz, HĂ€fen und ander Ding in Pfragner Weis, nicht aber Fleischwerk“. Nachdem im Jahr 1523 der letzte Sattelbogener, Hans auf Lichteneck und Geltolfing, als Inhaber der Hofmark ohne Erben verstirbt, geht Konzell auf dessen Schwester Margareta beziehungsweise ihren aus Franken stammenden Ehegemahl Jobst von Perlaching (Berlichingen, „Götz von“) ĂŒber. Über deren mit Brigita Notthafft verheirateten Sohn Hans Christoph von Perlaching kommt der Besitz an die Kinder, einen Sohn und die Tochter Margareta. Letztere heiratet Eberhard von Closen zu Arnstorf. Nach einigen wenig durchsichtigen VorgĂ€ngen, im Vorfeld des 30jĂ€hrigen Religionskrieges verkauft deren Sohn Hanns Christoph von Closen die Hofmarken Roßhaupten und Konzell am 16. Juli 1615 an Wolf Wilhelm Poißl. Vorher war der als '"unkatholisch" (lutherisch) bezeichnete Joachim Poysl (Wilhelms Vater?) pfandweiser Inhaber. Jener wiederum war der Schwiegersohn von Margaretha und Jobst von Berlichingen, also der Onkel unseres Hanns Christof von Closen. Bis zu dieser Generation ist Konzell folglich in der Hand der Sattelbogener nachzuweisen und nach deren Aussterben in der ihrer Nachkommen in den weiblichen Linien. Im Jahr 1643 erwirbt Albrecht von Eisenreich die Hofmark aus der poißlischen Gantmasse und ĂŒbergibt sie spĂ€ter seiner Tochter, Ehefrau des Johann Joseph Goderer, kurfĂŒrstlicher Rat und Rentmeister zu Landshut.

ZusammenschlĂŒsse
Bewegungen im Zuschnitt der Gemeinde Konzell reichen bis in die jĂŒngerer Zeit. An die Bildung und Wiederauflösung der Verwaltungsgemeinschaft mit Rattenberg sei erinnert. Bereits im Jahr 1927 gibt die Gemeinde Auggenbach mit ihren 13 Anwesen ihre SelbstĂ€ndigkeit auf und schließt sich Konzell an. Ältere Auggenbacher können sich noch an den letzten BĂŒrgermeister Jakob GĂŒtlhuber erinnern.Umgangssprachlich bekam er den Spitznamen „Paragraphen-Jakob“ weg, denn zu gerne begrĂŒndete er seine AusfĂŒhrungen „nach jenem Paragraph verhĂ€lt sich die Sache soundso“, weiß Alfons Kerscher ĂŒber ihn zu berichten. Von den wenigen Relikten ist durch Richard Neidl das Siegel der Gemeinde Auggenbach ĂŒberliefert. Es stammt noch aus der Zeit der bayerischen Monarchie mit dem Eindruck „Königreich Bayern“. RathĂ€user im heutigen Sinn entstanden bei den hiesigen Gemeinden meist erst im Zuge der Gebietsrefom 1978. Zuvor tagten die Gremien in den SchulhĂ€usern, soweit vorhanden.In Auggenbach dĂŒrfte daher der jeweilige Wohnsitz des BĂŒrgermeisters fĂŒr die ZusammenkĂŒnfte des kleinen Gemeinderates hergehalten haben. Ausreichend Platz hĂ€tte die gerĂ€umige Stube GĂŒtlhubers mit der heutigen Hausnummer 8 geboten. Denkbar wĂ€re auch das Gasthaus "auf der Haid". Im Zuge der Gebietsreform 1978 verlor auch Gossersdorf seine SelbstĂ€ndigkeit. Die Gemeindekanzlei befand sich hier im Keller der ehemaligen Schule, die im Jahre 1874 errichtet worden war. Bald treten dann fĂŒr einige Jahrzehnte die jeweiligen Schullehrer als Gemeindeschreiber auf. Immer wieder sind in den vergangenen Jahrhunderten BemĂŒhungen der Gossersdorfer Schlossherren beziehungsweise deren Verwalter festzustellen, kirchliche oder staatliche Institutionen in den Ort zu ziehen.  Zuletzt war es Max Brandl, der sich, erfolglos, um eine eigene Poststelle fĂŒr den Ort bemĂŒhte. In Konzell ist schon seit Jahrhunderten eine Schule nachzuweisen. Bis etwa Mitte des letzten Jahrhunderts war sie Sitz der Gemeindeverwaltung. 

VerĂ€nderungen werden auch zukĂŒnftig nicht ausbleiben. Mit der ILENord haben sich vor wenigen Jahren die Gemeinden des Altlandkreises Bogen zusammengefunden, um bei gleicher Interessenslage Aufgaben gemeinsam zu bewĂ€ltigen. Ob sich daraus in ferner Zukunft grundlegendere ZusammenschlĂŒsse ergeben, ist heute weder  abzusehen noch zu prognostizieren. In welchem Masse die Gemeindeteile Konzells zwischenzeitlich zusammengewachsen sind, darĂŒber gibt die Zusammensetzung des Gemeinderates in Konzell Zeugnis. Trotz umgekehrter Verteilung des WĂ€hlerpotentiales stammen 8 von 12 GemeinderĂ€ten aus dem Gebiet der Altgemeinde Gossersdorf.

Autor: Fritz Fuchs Gossersdorf

Quellen: Bayerisches Hauptstaatsarchiv MĂŒnchen, Kurbayern, Geheimes Landesarchiv 1126 fol 243. Regestbuch Gerichtsurkunden Mitterfels HM Konzell Fasc 24, Nr. 268+269. Historischer Atlas Bayern, Mitterfels.